Dienstag, 15. April 2014
Episode 8 - Sorge dich nicht, Wonderwoman ist unterwegs!
Als ich vor einiger Zeit mit einer Grippe das Bett hüten musste und gelangweilt durch die Fernsehprogramme zappte, blieb ich bei der Heldin meiner Kindheit hängen.
Pipi Langstrumpf war nicht nur stark und selbstbewusst, sondern auch sehr kreativ, wenn es darum ging anderen Leuten eine Freude zu machen oder die Welt nach ihrem Verständnis zu verbessern. Das kleine Mädchen mit dem großen Herzen.
Was für die Jungs damals die Superheldenriege war, war für mich Pipi Langstrumpf. Keine fiktionale Figur hat mich jemals wieder so stark fasziniert, wie das Mädchen aus Schweden.
Irgendwann, ich erinnere mich kaum daran, verblasste diese Bewunderung. Andere Vorbilder traten in mein Leben, beeinflussten mich und meine Freundinnen.
Nun, Jahre später, flimmert diese Kindheitserinnerung erneut über den Schirm und ich frage mich, ob das mein persönlicher Anfang des Wonderwoman-Mythos war, dem wir Frauen zu unterliegen scheinen.
Was ist es, dass uns immer wieder die Herausforderung annehmen lässt, ins Cape zu schlüpfen und zum nächsten Einsatz zu fliegen? Ziel unserer Rettungsaktion: ein armer Mann in Not.
Die Rettungseinsätze gleichen denen unserer Superhelden und lassen sich meist einem der folgenden Szenarien zuordnen:
Szenario1: Das brennende Haus. Hier müssen wir den Mann unbedingt aus einer Notlage retten. Das können Dinge wie eine schlimme Ehe, Suchtprobleme, Schulden oder Obdachlosigkeit sein.
Szenario2: Der Lebensmüde auf dem Dach. Dieser arme Mann hat wirklich niemandem mehr. Alle Hoffnungen lasten auf uns und ohne uns macht alles keinen Sinn mehr.
Szenario3: Das Kind in Not. Das Kind in Not braucht uns eigentlich nicht als Frau sondern als Mutter. Ohne uns ist er aufgeschmissen, denn er hat noch nie selber Wäsche gewaschen, Essen gekocht oder sich um irgendetwas in seinem Leben gekümmert.
Und Szenario4: Natürlich der ultimative Kampf gegen den Endgegner, gegen das Böse.
Der Klassiker: der Typ der mit sich selbst nicht zurecht kommt und/oder Bindungsangst hat. Ihn versuchen wir in einem epischen Gefecht davon zu überzeugen, auf die gute Seite zu wechseln und seine Bindungsangst zu besiegen!
Obwohl wir alle voll berufstätig sind, sehe ich regelmäßig dabei zu, wie wir Frauen das Cape aus dem Schrank ziehen und in unserer wohl verdienten Freizeit einen Sondereinsatz fliegen. Manchmal frage ich mich, ob wir nicht viele Probleme mit einem Schlag lösen könnten, wenn die Frauen dieser Erde ihre Energie und Helfermanie bei der Freiwilligen Feuerwehr ausleben würden.
Was ist es, dass uns immer und immer wieder dazu bewegt ein Vorliebe für die schwachen, hilfsbedürftigen Männer zu entwickeln? Wollen wir uns etwas beweisen oder sind das irrgeleitete Mutterinstinkte, die uns kinderlose Frauen mit leiser Stimme auffordern, uns Kinder zu suchen die wir erziehen können. Haben wir in unserem Job nicht genug Projekte?
Vielleicht tun wir gut daran das Cape manchmal einfach im Schrank zu lassen und dafür eine hübsche Jacke zu tragen. Damit kann man vielleicht nicht fliegen aber wer immer nur fliegt, sieht die Welt nur von oben, dabei gibt es so viele Perspektiven... und außerdem sehen High Heels und Skinnyjeans zum Cape einfach nicht aus.
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Wie wahr. Ich muss ja gestehen, ich habe auch dieses Helfersyndrom. Nur werden das im Leben nicht abschalten können - glaube ich. Vielleicht ist es Bestimmung?!
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