Sonntag, 13. April 2014
Episode 7 - Wortgefecht
„Wo sind die guten alten Liegestütz hin?“, fragte mich gestern ein junger Mann und brachte mich mit dieser Frage kurz aus dem Konzept. Abgesehen davon, dass mir sein Grinsen irgendwie sympathisch war, beschäftigte mich die Frage ein wenig später tatsächlich.
Warum gibt es nur noch Push-ups? Ist es einfach zu spießig geworden Liegestütze beim Namen zu nennen. Die Anglizismen haben ja schon lange Einzug in unsere Sprache gehalten, und doch fragt ich mich immer wieder warum. Irgendwie weigere ich mich zu glauben, dass dies etwas mit einer globalisierten Welt, einer besseren Kommunikation, einer Vereinfachung und nicht zuletzt einem Trend zu tun hat.
Wäre das so, würden wir unser Mobiltelefon doch nicht Handy nennen. Ein selten dummes Wort, welches im englischsprachigen Raum in diesem Zusammenhang wohl eher für Verwirrung sorgen würde.
Warum also suchen wir neue Begriffe für Dinge, die längst einen Namen haben?
Oder ist es einfach so, dass wir Dinge ungern beim Namen nennen?
Irgendwie kommt es mir so vor, als würden wir unentwegt versuchen, alltägliche Dinge in eine schönere Hülle zu stecken und wenn das so ist, zeigt das einen Trend dem auch wir folgen?
Ist nicht gefühlt jeder Mensch, spätestens ab dem 10 Lebensjahr darum besorgt, die perfekte Hülle für sich zu finden.
Nie wurde so viel Geld mit Dingen umgesetzt, die uns helfen diese perfekte Hülle zu erschaffen. Sei es die Fitness- und Kosmetikindustrie oder die Lebensmittelbranche...
Es gibt Getränke für jede Stimmung und jede Situation. In einer Zeit in der ein Wasser nicht mehr nur den Durst stillen, sondern Energie zurück geben, Konzentration fördern oder gestresste Menschen entspannen soll, muss ich mich einfach fragen: wo ist das Echte und haben wir keine anderen Probleme? Wer hat damit angefangen und warum machen wir mit?
Und während ich darüber nachdenke, baut mein Gehirn den Schuldigen vor meinem inneren Auge zusammen: ich bin mir ziemlich sicher, dass es jemand aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit war, oder mindestens jemand, der ein gewisses Talent für Werbestrategien hatte. Wahrscheinlich frisch getrennt von seiner großen Liebe sitzt er verzweifelt in einer Bar. Die Männer um ihn rum sind alle jünger und stärker, denn sie trainieren regelmäßig in einer Sportanstalt. Sie verdienen gut und haben schöne Wohnungen. Sie sind nicht nur genauso gut wie er – sie sind sogar besser und in diesem Moment wird unserem armen Held klar, dass er gegen diese Konkurrenz nie wieder eine Frau finden wird.
In diesem Augenblick entschließt er sich ein Best Ager zu werden der regelmäßig im Gym push-ups macht, erfolgreich im Bereich Public Relations tätig ist und in einem Loft wohnt. Unserem Freund fliegen fortan die Herzen der Frauen zu, denn er ist etwas Besonderes.
Von da an ist es nur eine Frage der Zeit, bis andere Männer diesen Trick kopieren.
So oder so ähnlich, da bin ich mir sicher, ist das gelaufen.
Aber wollen wir wirklich den Push-up-typen oder haben wir es inzwischen so satt, dass wir uns insgeheim die „Liegestütze“ zurück wünschen?
Irgendwie finde ich nicht nur die Frage interessant, sondern auch den Typen der sie mir gestellt hat, denn ab und an brauchen wir Frauen etwas echtes, ursprüngliches.
Etwas dass genau das ist, was es vorgibt zu sein.
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