Dienstag, 8. April 2014
Episode 5 - Der 24-Stunden-Mann: Opfer oder Held der Großstadt?
Ich weiß nicht warum, aber irgendwie musste ich heute an meinen letzten 24-Stunden-Mann denken.
So unanständig wie es sich anhört ist es gar nicht. Ein 24-Stunden-Mann ist einfach nur jemand, der in der Vorstellung besser ist, als in der Realität.
Ich war mal Haarmodell... da war es genauso. In meiner Vorstellung gab es nichts schöneres als drei Stunden jemanden um sich zu haben der sich nur mit dir und deinen Haaren beschäftigt. Man trinkt einen Milchkaffe, wird umsorgt um danach mit einer schönen Frisur, einem hübschen Make-up und einem kleinen Zuverdienst nach hause zu gehen.
Aber nach einigen Besuchen ziept es immer mehr, man schaut ungeduldig auf die Uhr, findet die Frisur irgendwie nicht typgerecht und alles was bleibt, sind die extra Scheinchen im Portemonnaie.
Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass es sich so mit den 24 Stunden-Männern verhielt. Wenn Begegnungen anfangen Jobs zu werden, die wir nur noch nach Zeit abrechnen, warum lassen wir uns darauf ein?
Die klassischen Singlefrauen um die 30 in der großen Stadt sind gerne allein ohne wirklich allein zu sein. Wir lieben unseren Freiraum, die Freiheit zu tun was wir wollen ohne Rechenschaft abzulegen, wir haben den sexappeal, wir verdienen gut und wir wissen was uns gefällt und was nicht... um ehrlich zu sein sind das die Punkte, die wir gerne dick als Plus auf unserem Über-30-und-Single-Konto verbuchen.
Während wir den Mann fürs Leben suchen, muss daher auch mal der nette Niemals-Mann fürs Leben herhalten: der 24-Stunden-Mann. Die Anzeichen sind immer die selben: Man will ihn nicht seinen Freundinnen vorstellen (denn er wird es ja eh nicht), man will auch nicht unbedingt mit ihm ausgehen (Öffentlichkeit, warum?), man plant keinen Urlaub mit ihm und auch keine Zukunft und – das deutlichste Anzeichen – man fängt an nach 20 Stunden in seiner Gegenwart unruhig zu werden.
Der Niemals-Mann bleibt einfach nicht länger als 24 Stunden, denn nach dieser Zeit beginnt irgendwie die Realität. Man kann ihn Mittags treffen, einen Kaffee mit ihm trinken, abends einen Film schauen, am nächsten Morgen Frühstücken, aber dann fängt man an auf die Uhr zu schauen denn er nervt!
Natürlich nicht wirklich. Meistens sind diese Männer wundervoll, lustig, romantisch, vielleicht etwas zu sehr in uns verknallt, aber auf keinen Fall nervig. Nur uns nerven sie, die wir wissen, dass sie nie mehr als nur nette Gesellschaft für uns sein werden.
Und so vergraulen wir diese fantastischen Männer nach ein paar Monaten aus unserem Leben, geplagt von Schuldgefühlen und einem meist sehr emotionalen Abgang seinerseits.
Warum suchen wir uns immer wieder diese Typen? Ich glaube tief im inneren hoffen wir irgendwie doch, dass wir eines morgens erwachen und erkennen was wir die ganze Zeit nicht sehen konnten.
Ich habe Freundinnen die ganze Beziehungen auf dem 24 Stunden-Modell aufbauten in der Hoffnung irgendwann zu fühlen dass er es doch ist ... nur um nach sechs Monaten zu merken, dass es einfach nicht funktioniert. Vielleicht sollten wir diese Typen in Zukunft einfach doch unseren Freundinnen vorstellen, denn echte Freunde werden uns auch das sagen, was wir nicht hören wollen: Eine Beziehung auf Stundenbasis ist keine Beziehung, sondern ein Job. Und sollte besser bezahlt werden.
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