Samstag, 10. Mai 2014

Episode 13 – Pyjamerparty

Es war wieder mal Freitag und ich saß mit Finja in meiner Lieblingsbar bei Pasta und Rotwein. Finja und ich kannten uns aus frühester Kindheit. Wir hatten die letzten 30 Jahre phasenweise sehr intensiv und dann wieder mit etwas Abstand zueinander verbracht. Es war immer wieder schön mit ihr zu reden und es war ebenso spannend, ihren Geschichten zu lauschen. Wenn es um erste Dates, Männer oder das Leben allgemein ging, hatte Finja immer eine Menge zu berichten. An anderen Abenden lästerten wir über gemeinsame Bekannte oder versanken in Erinnerungen, so auch heute. Nach dem dritten Glas Wein packt Finja glucksend eine Geschichte aus, die ich komplett vergessen hatte: Es muss sehr lange her sein. Wir waren vielleicht fünf oder sechs Jahre alt und fanden es damals unglaublich spannend bei unseren Freunden zu übernachten. Finja war von ihren Eltern also an einem Freitag Nachmittag mit Sack und Pack zu uns gebracht worden. Wir hatten gespielt, Pizza gegessen und gequatscht bis wir eingeschlafen waren. Das heißt um genau zu sein, bis ich eingeschlafen war. Finja hingegen hatte Heimweh bekommen. Als es für die kleine Finja nicht mehr auszuhalten war, hatte sie all ihren Mut zusammen genommen, war aufgestanden und zu meinen Eltern ins Wohnzimmer gegangen. Wahrscheinlich war es noch nicht mal 22 Uhr. Finjas Erzählungen nach, muss es aber mitten in der Nacht gewesen sein, als meine Eltern sie schließlich nach Hause fuhren und damit unser kleines Übernachtungsexperiment beendeten. Die Pointe dieser Nacht kam aber erst noch. Leicht benebelt vom Wein und kichernd erzählte sie mir, wie der Abend ausgegangen war: Ich konnte mich nicht mehr erinnern, aber ich war wohl in der Nacht aufgewacht, nicht wissend, dass Finja schon wieder zu hause bei sich war und hatte sie mit meiner Taschenlampe in der ganzen Wohnung gesucht. So unruhig war ich gewesen, dass ich nach einer langen, ausgiebigen Suche meine Eltern weckte, um Finja als vermisst zu melden. Und während wir lachen, über Kindheitserinnerungen und Albernheiten wird uns bewusst dass wir das vermissen. Ich denke an Niko. An Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte. An Nächte, in denen ich in der Küche oder auf dem Balkon saß, um ihn nicht zu wecken, während mich Gedanken oder Ängste wach hielten. Wir machen Scherze darüber und lachen immer noch während ich feststelle, dass ich mir damals gewünscht hätte, von Niko mit der Taschenlampe gesucht zu werden, weil ihm meine Abwesenheit Sorgen bereitete. Weil er nicht schlafen konnte, ohne zu wissen wo hin ich verschwunden war. Und dann denke ich an unseren Abschied vor fast zwei Jahren. Daran, wie ich ihn gebeten hatte, mich nicht mehr anzurufen, mir nicht mehr zu schreiben. Ich frage mich, ob er meine Bitte einfach nur respektiere oder ob es ihm schlicht zu viel Mühe bereitete, mich mit der Taschenlampe zu suchen. Möchten Mädchen nicht in jedem Alter vermisst und gesucht werden? Während ich darüber nachdenke bringt es Finja mal wieder auf den Punkt: „Du bist halt einfach eine tolle Freundin. Ich würde dich auch jederzeit mit der Taschenlampe suchen, denn wenn man seine Freunde liebt, macht man das halt“. Da hat sie Recht. Wen man liebt, den sucht man. Beweislage abgeschlossen. So einer schlüssigen Argumentation, kann ich einfach nichts hinzufügen.

2 Kommentare:

  1. Ach Manu, das macht mich ja fast schon ein wenig melancholisch und vielleicht ist das der ultimative Freundestest :)

    LG
    Franzi

    AntwortenLöschen
  2. wärest du beim erwachen nicht da gewesen, wärst du bestimmt (mit oder ohne lampe) gesucht worden...

    N

    AntwortenLöschen