Samstag, 5. Juli 2014
Episode 21 - Irrwege
Entscheidungen. Kleine Pfade die man einschlägt und die doch den ganzen Weg maßgeblich beeinflussen können.
Als ich heute Mittag mit zwei guten alten Freundinnen und ihren Kinderwagen zum Kaffee zusammen saß, musste ich unwillkürlich darüber nachdenken.
Wir alle treffen Entscheidungen. Ständig. Täglich, minütlich. Manche erscheinen banal, wie die Auswahl des richtigen Outfits oder des Mittagessens in einem Restaurant. Andere wiederum können unser Leben nachhaltig beeinflussen.
Ich sah auf den kleinen Sohn meiner langjährigen Freundin, den sie auf dem Arm hielt.
Eine simple Entscheidung sich auf einen Auslandsposten zu bewerben hatte ihr einen Ehemann und ein Kind eingebracht. Wie wäre die Geschichte wohl zuende gegangen, wenn sie sich damals dagegen entschieden hätte.
Zugegeben, diese Entscheidung zählte damals zu den größeren in ihrem Leben. Ich höre ihre Worte noch, als wäre es gestern gewesen, als sie vor mir stand und sagte „wenn ich wiederkomme bin ich 34... eigentlich wollte ich da doch verheiratet sein und Kinder haben und nun geh ich in eine befristete Zukunft, weit weg von Deutschland...“.
Eine Kinderplanung außerhalb Deutschlands war damals keine Option.
Wie wäre ihr Leben wohl verlaufen, wenn sie sich nicht für diesen Schritt entschieden hätte.
Wenn die Angst und das Heimweh gesiegt hätten?
Diese kleinen Verknüpfung des Lebens haben mich schon immer fasziniert. So hatte ich relativ früh eine Kette zusammen gesponnen, die mich bis zu Niko geführt hatte und diese Theorie war so: Mein High School Jahr in den USA mit 16 war eine der besten Entscheidungen meines Lebens gewesen, denn dort hatte ich nicht nur wunderbare Freunde kennen gelernt, sondern auch Josh.
Es kam wie es kommen musste: Zwei Kontinente, viel Herzschmerz und die Einsicht, dass
sich unsere Welten nicht verbinden ließen.
Zurück aus den USA lernte ich einen guten Freund kennen. Und warum lernte ich ihn
kennen? Weil er mich optisch an Josh erinnerte. Dieser Freund wiederum arbeitet neben der Schule und so bewarb auch ich mich in dieser Firma. Einige Wochen später freundete ich mich dort mit einer Kollegin an und diese annoncierte schließlich ihr WG-Zimmer auf welches sich Niko bewarb. Die perfekte Verbindung von Josh zu Niko war damit abgeschlossen und ergab in meinem Kopf absolut Sinn.
Oft frage ich mich, ob uns jede einzelne Entscheidung zu einem anderen Ziel bringt oder nur der Weg ein anderer ist.
Ich erinnere mich an ein Labyrinth in einem Maisfeld durch das ich mit Josh in den USA gelaufen war. Landkinder vertreiben sich die Zeit wohl anders.
Bei einem Labyrinth gibt es einen Eingang und einen Ausgang und zwischendurch viele Entscheidungen, ähnlich wie im Leben. Josh hatte mir damals gesagt, man müsse sich immer nur rechts halten um ohne Irrwege wieder heraus zu finden und das hatten wir dann probiert.
Tatsächlich waren wir ziemlich schnell am Ziel. Danach gingen wir noch mal hinein und „verliefen uns“ absichtlich und irgendwie machte das mehr Spaß.
Vielleicht ist es ja auch so mit den Wegkreuzungen in unserem Leben. Es gibt einen schnellen und einen langsamen Weg. Einen mit Sackgassen und einen mit Abkürzungen, aber egal wie wir uns entscheiden, allein die Zeit bis zum Erreichen des Ziels ist eine andere. Das Ziel selber bleibt immer das Gleiche.
Irgendwie beruhigt mich dieser Gedanke. Ich sehe auf meine Freundinnen. Vielleicht haben sie sich einfach nur brav rechts gehalten oder sind schneller durch den Irrgarten gerannt, aber ich finde es schön zu wissen, dass auch ich irgendwann den einen Ausgang finde, ungeachtet der vielen Wege die ich bis dahin eingeschlagen habe.
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