Samstag, 21. Juni 2014

Episode 19 – die Kleiderregel

Es heißt, dass man jedes halbe Jahr seinen Kleiderschrank ausmisten soll. Hört man auf Modeexperten in Zeitschriften und Magazinen so sollte man alles, was man länger als zwölf Monate nicht getragen hat in die Kleidersammlung geben. Als ich heute früh meinen schwarze Rock mit den Falten suchte und ihn auch nach 30 Minuten nicht finden konnte, erinnerte ich mich schmerzlich daran, wie strikt ich diese oberste Regel aller Lifestyleexperten in den letzten Jahren eingehalten hatte. War es wirklich schon über ein Jahr her, dass ich diesen Rock getragen hatte und warum hatte ich in ausrangiert? Ich überlegte. Was war es, dass mich nun nach all der Zeit, in der ich den Rock kaum vermisst hatte, danach suchen lies? Bei Männern wie bei Mode scheint es mir so, als käme von Zeit zu Zeit eine gewisse Ahnungslosigkeit auf, warum man das gute Stück zum damaligen Zeitpunkt aussortiert hatte. Irgendwann, in einem Moment von Langeweile, Nostalgie oder Kreativität, plötzlich aus einer unerklärlichen Laune heraus erinnern wir uns plötzlich daran und überlegen, ob wir einen Fehler gemacht haben. Was war so falsch daran und warum haben wir damals diese Entscheidung so getroffen ? Natürlich hätten wir niemals unser Lieblingsstück weggegeben. Ich weiß blind, wo mein Sommerkleid von Halston Heritage hängt oder mein Rock von Anna Molinari liegt, den ich so mag. Lieblingsteile die einem schmeicheln, hängen meist ganz vorne, griffbereit auf Augenhöhe. Wenn wir also wissen, dass etwas nicht zu uns passt und wir es deshalb aus unserem Schrank, aus unserem Leben verbannen, warum vermissen wir es dann irgendwann? Warum verlieren wir überhaupt einen Gedanken daran? Ich sprach vor einigen Tagen lange mit der Schwester von Niko. Über Liebe das Leben die ausrangierten Männer unserer Vergangenheit. Es war schön, denn schlussendlich ist jede Trennung ja auch meist ein Abschied von der Familie in der man begonnen hatte sich wohl zu fühlen. Es ist wohl Nostalgie, stellten wir fest. Die Erinnerung die wir mit etwas verknüpfen, dass in der Phantasie besser zu werden scheint, je weiter es in der Vergangenheit liegt. Die Erinnerung an etwas, das wir vor langer Zeit mal für eine gute Idee gehalten haben und doch gemerkt haben, dass es, um es mit den Worten von Herrn Guido Maria Kretschmer zu sagen, „nichts für uns tut“. Während ich mit einer guten Freundin durch die Geschäfte unserer Hauptstadt schlendere und ein paar ähnliche schwarze Faltenröcke betrachte, hier und da mal einen anprobiere wird mir klar, was ich damals schon wusste: Faltenröcke tragen auf und tun so rein gar nichts für meine Figur. Sie sind vielleicht theoretisch eine gute Idee, aber in der Praxis bin ich wohl mit etwas anderem besser bedient. Wie schön dass diese Stadt so viele andere Möglichkeiten bietet. Im Bezug auf Mode und im Bezug auf Männer.

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