Coco Chanel hat mal gesagt „eine Frau die sich die Haare schneiden lässt, ist kurz davor ihr Leben zu ändern“ ...ich habe mich, auch wenn ich voller Bewunderung auf diese große Dame der Modewelt blicke, immer gegen diese Aussage gesträubt.
Es kommt mir so abgedroschen vor... und doch muss ich genau an dieses Klischee denken, während meine Haare gewaschen werden.
Die ersten 20 cm schnitt die bezaubernde ältere Dame, ohne mit der Wimper zu zucken, schon vor der Haarwäsche ab. „Möchten sie den Zopf behalten?“ fragt sie freundlich.
Anscheinend gibt es tatsächlich Leute die ihre alten Zöpfe wieder mitnehmen. Irgendwie seltsam. Wenn so ein Friseurbesuch doch angeblich den Neuanfang markiert, warum dann an Altem festhalten? Verliert man 15 Kg, entsorgt man voller Stolz die viel zu großen Klamotten, trennt man sich von seinem Partner, richtet man ihm ja auch kein Gästezimmer in seiner neuen Wohnung ein, warum also dieses emotionale Getue um Haare?
Für mich war der Gang zum Frisör schon immer emotionslos und ausschließlich praktischer Natur.
Meine langen Haare nervten mich und ich musste nicht lange überlegen, bis ich den Termin bei dem kleinen Frisörsalon machte. Für mein Umfeld hingegen schien dies ein weit größeres Drama zu sein und das amüsierte mich. Von besorgten Blicken („bist du dir ganz sicher..?“) bis zu bestürzten Überredungsversuchen („maaaach das niiiiicht!!!“) war alles dabei.
Ich habe viele meiner Mädels in den vergangenen Jahren beobachtet, wie sie nach Trennungen, Kündigungen oder Umzügen ziemlich radikale Sachen mit ihren Haaren anstellten. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, ich habe es alles gesehen: Dauerwellen, von lang nach ultra kurz, von hell nach dunkel, von dunkel nach hell (oder in dem Fall Karotte), schlechte Extensions, gute Extensions ... ich habe wirklich alle schönen und unschönen Dinge gesehen die eine Frau im Wandlungswahn auf ihrem Kopf fabrizieren kann. Ich kenne aber auch das Gegenteil: Die Frauen die Tag ein Tag aus die gleiche Frisur, den gleichen Schnitt, die gleiche Farbe haben. Immer. Jeden. Einzelnen. Tag.
Und während mir gerade der Conditioner einmassiert wird und die freundlich Dame mich fragt, wie ich auf die Idee gekommen bin meine Haare von ziemlich lang auf ziemlich kurz zu ändern, wird mir klar, dass es nie nur um Haare geht. Es muss auch nicht darum gehen, sich von Altem zu verabschieden oder einen Neuanfang zu starten. Vielleicht geht es oft einfach nur darum, unmissverständlich zu zeigen wer man ist. Es ist nicht der Wunsch das eigene Leben zu ändern, es ist ein Versuch sich selbst klarzumachen was man darstellen möchte. Völlig logisch, dass dieses Bedürfnis gerade dann besonders stark ist, wenn eben eine große Veränderung im Leben einer Frau ansteht. Es gibt uns Halt und Sicherheit zu wissen was oder wer wir sein wollen. Und ist genau das nicht auch der Grund, warum es uns manchmal so schwer fällt uns auf Neues einzulassen oder, wie in meinem Fall, es bei anderen zu akzeptieren. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach Sicherheit und Stabilität, eine Möglichkeit den Mitmenschen zu zeigen, dass sie es mit einer sehr beständigen Person zu tun haben.
Was mich betrifft so weiß ich eigentlich sehr genau warum ich heute hier sitze: Ich weiß wer ich bin und ab und an muss ich meine Haare eben schnell dem Rest angleichen. So war es schon immer. Völlig klar, dass es mich da kaum tangiert, wenn meine langen Haare zu Boden fallen. Es ist halt nur ein Schritt von vielen, wie das morgendliche auswählen der Kleidung oder das Einrichten der Wohnung.
Inzwischen sind meine Haare wirklich sehr kurz. Ich sitze vorm Spiegel und freue mich.
Man sieht der Friseurin an, dass sie leicht nervös ist: „viele Frauen müssen sich erst mal an ihren Anblick im Spiegel gewöhnen“ erklärt sie sogleich. Ich nicht. Für mich ist jeder Schnitt wieder ein kleiner Schritt zurück zu mir. Rein optisch.
Ich wische die Gedanken beiseite, denn ich finde, ich habe diesem ganzen „was will ich darstellen Thema“ für heute genug Beachtung geschenkt. Es geht ja schließlich auch „nur“ um Haare... Und während ich mir gedankenverloren durch meine kurzen Haare streiche kommt mir ein anderes, wertvolleres Zitat in den Sinn: „Wie viele Sorgen verliert man, wenn man sich entschließt, nicht etwas sondern jemand zu sein.“ ... übrigens auch von Coco Chanel...

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