Samstag, 14. Juni 2014
Episode 18 – Eigenheim, Glück allein
Es hatte etwas ironisches, diese Statistik heute in der Zeitung zu sehen, kurz nach dem Gespräch mit Kathi und kurz, nachdem ich die Geschichte von Marens Freunden gehört hatte.
Es begann alle mit der Geschichte von Maren. Freunde von ihr hatten sich vor einiger Zeit einen alten Bauerhof gekauft und angefangen, diesen zu restaurieren. Nach außen erschien alles perfekt, bis er sich immer besser mit einer gemeinsamen Freundin verstand... es kam wie es kommen musste: zum Schock aller Freunde trennte sich das junge Elternpaar und stand nun vor der Entscheidung was mit dem Bauernhof passieren solle... einige Tage später, bei einem Spaziergang mit meiner Freundin Kathi kamen auch wir auf dieses Thema. Die Aufnahme eines Kredits, der Bau eines Hauses oder der Kauf einer Immobilie sei eine schwere Belastung für eine Beziehung und ein hohes Risiko für eine Trennung so Kathis Theorie.
Und dann heute dieser Artikel in der Zeitung:
„Der Traum vom Eigenheim zerstört deutsche Ehen“
Laut Zeitungsartikel sei eine Vielzahl unvorhergesehener Vorkommnisse der Grund für Trennungen rund um das Eigenheim. Geldsorgen und Ratenzahlungen schaffen grundsätzlich natürlich erst einmal Druck und Unzufriedenheit. Geldsorgen zwingen Paare mehr zu arbeiten, sich teilweise einen Zweitjob zu suchen und dies bringt wiederum Menschen hervor, die gestresst und ausgebrannt sind.
Bis hierhin verstand ich Kathis Theorie die durch diesen Artikel untermauert wurde. Ein Mammutprojekts erzeugt Druck, Unsicherheit, Angst... aber wieso führt dies zur Trennung eines Paares, dass sich doch nur wenige Monate vorher versprochen hat zusammen durchs Leben zu gehen.
Sind wir wirklich Teil einer Gesellschaft, in der jeder nach eigener Verwirklichung strebt aber ohne Rücksicht auf Verluste die Flucht ergreift, wenn kleine Turbulenzen auftreten?
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Nikos Großmutter, die ich heute, da wir kein Paar mehr sind, sehr vermisse.
Sie hatte mir damals einige Jahre nach ihrer goldenen Hochzeit erzählt, dass ihre Ehe nicht immer pure Glückseeligkeit war, es hätte immer wieder Phasen der Unzufriedenheit und Streitereien gegeben, „schlussendlich“ hatte sie damals gesagt „war es aber so, dass man sich keinen perfekten Partner schnitzte, sondern einen Menschen auswählte, mit dem man alle Schlachten gemeinsam kämpfen konnte. Mit dem man die Angst teilen konnte, an den man sich anlehnen konnte wenn man von einem 16 Stunden Tag nach Hause kam. Man konnte es damals nicht allein schaffen und daher brauchte man jemanden der einem dabei hilft.“ Nie hat etwas mehr Sinn für mich gemacht, als diese Aussage damals.
Als Kind hatten wir den natürlichen Instinkt uns gerade dann, wenn es schwierig oder gefährlich wurde, an unsere Freunde zu halten. Es ist völlig selbstverständlich, dass wir uns Verstärkung holten, wenn uns jemand auf dem Pausenhof Ärger machte und wir haben keine Sekunde gezögert, uns in eine Schlägerei zu stürzen wenn unsere Freunde Hilfe brauchten.
Was hat sich also von früher bis heute geändert? Warum fällt es so vielen Paaren so schwer an dieser Herausforderung als Team zu wachsen, sich nach dem Zweitjob und einem langen Arbeitstag gegenseitig einen Ort der Ruhe und der Zuflucht zu sein, die Ängste zu teilen, in dem Wissen, dass man das Glück hat, sie nicht alleine schultern zu müssen? Ich verstehe einfach nicht, wie man die Lösung für seine Probleme in so einer Situation bei einem anderen Menschen als bei seinem Partner suchen kann, mit dem man doch gemeinsam diese Herausforderung angenommen hat.
Um es ganz einfach zu machen: es ist so, als würde ein deutscher Spieler beim WM-Finale in der Halbzeit plötzlich zur gegnerischen Mannschaft wechseln, weil die irgendwie grad besser spielen. Abgesehen vom Vertrag den er unterschrieben hat und abgesehen vom Geld, waren da ja noch die vielen Trainingseinheiten mit seiner Mannschaft durch die er sich gequält hatte.
Und was ist mit den vielen schönen Momente die man im Team erleben durfte und nicht zuletzt waren da ja die zahlreichen Spiele, die man mit seinen Kollegen im Vorfeld gewonnen hatte um überhaupt bis ins Finale zu kommen - jeder Deutsche würde diesen Spieler verachten, denn es steht außer Frage, dass man nicht die Fronten wechselt, wenn es mal schwierig wird. Fragen sie mal einen eingefleischten Bayern-Fan, ob er nach einer Niederlage zu einer anderen Mannschaft überlaufen würde...
Gerade wenn es mal nicht so glatt läuft, muss man zu seinem Team stehen. Gerade, wenn ein Team ein paar Niederlagen einstecken musste, braucht es seine Fans mehr als sonst.
Schön, dass das beim Fußball so klar ist...
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Schoen geschrieben:) ich verstehe es leider auch nicht immer. Aber ich denke der hauskauf ist nicht das finale sondern dir vorrunden. Und,mit jedem neuen spiel, kommen neue schwierigkeiten auf, die man meistens unterdrückt, aber nach der 10. niederlage denkt man, vielleicht ist es einfacher, dass team zu wechseln, als ehrlich darüber sprechen und die eigenen Fehler einsehen...
AntwortenLöschenSehr schöne Gedanken. Danke für dein Kommentar ♡
AntwortenLöschenDu sprichst mir aus der Seele <3
AntwortenLöschenEs gibt nie eine Garantie für die Partnerschaft - manchmal ist die Liebe weg, egal wieviele Tiefen man durch hat.
AntwortenLöschenIch denke, dass wir heutzutage zu wenig zufrieden sind. Zufrieden mit dem, was wir haben. Dankbar für das, was wir haben. Auch wenn es mal schwierig wird. Kompromissbereit und offen bleiben. Offen für Veränderungen und Lösungen. Für andere Denkweisen und Sichtweisen!! Niemand ist perfekt. Weder mein Partner noch ich selbst. Liebe verschwindet nicht einfach so!! Sie verändert sich wird weniger kribbelig, dafür viel tiefer!!
AntwortenLöschenSo lange die Treue von beiden Seiten geboten ist, kann nix passieren, was man selbst nicht möchte!! Das Team zu wechseln ist einfach. Aber zu bleiben, an sich zu arbeiten, den anderen und die Beziehung nicht aufgeben, das ist es, worauf es ankommt!!!
Ps: Episode 18 ist übrigens meine absolute Lieblings-Episode!! Schön geschrieben, Manu!! ��
AntwortenLöschenVielen Dank ♡♡♡
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