Montag, 8. September 2014

Episode 28 – Großstadtliebe

Einer der Gründe, warum ich in den letzten Wochen viel zu wenig Zeit zu haben scheine, ist mein großartiger Sommerjob, den ich mir spontan zu meinem ohnehin ziemlich durchgeplanten Alltag zugelegt habe. Seit ich denken kann hasse ich das Fliegen und liebe die Flughäfen dieser Welt und ihre ganz spezielle Atmosphäre. Es ist dieses Gefühl von Freiheit und Abenteuer, dass mich fasziniert gepaart mit meiner Begeisterung fürs Weinen. Diese Begeisterung teile ich, wie ich kürzlich feststellen durfte, sogar mit einigen Freundinnen. Ich rede natürlich nur vom „guten Weinen“ und das bedeutet in diesem Fall aus Freude, aus Mitgefühl und vor Rührung und davon hat man auf dem Flughafen jede Menge. Es ist ein Paradies für alle Freunde des Heulens. Bei mir ist diese Gabe besonders ausgeprägt. Ich brauche nur jemanden anzusehen der aus dem Gate rausgestürmt kommt und jemandem in die Arme fällt und schon habe ich nasse Augen. An guten Tagen reicht auch schon eine Familie die ein „Willkommen zuhause“ - Plakat hoch hält. Meine Arbeit am Flughafen macht mir aber noch aus zwei weiteren Grünen großen Spaß: Zum einen erlebt man an kaum einem Ort den Menschen an sich pur so wie er wirklich ist, denn Flüge und Reisen im Allgemeinen bereiten den meisten Menschen Stress und so bekommt man ungefiltert die volle Palette menschlicher Wesenszüge. Zum anderen sehe ich es als meine Pflicht den Gästen und Reisenden einen möglichst guten Eindruck von meiner geliebten Stadt zu vermitteln. Natürlich ist mir bewusst, dass ich nur ein winzig kleiner Eindruck in einer Summe von Erfahrungen und Eindrücken bin, aber wenn es stimmt was man sagt (der erste Eindruck zählt, der letzte Eindruck bleibt) so bin ich am Flughafen dafür wenigstens genau an der richtigen Stelle! Mir selber ist dieser Gedanke das erste Mal gekommen, als ich mit einer lieben Freundin in London war. Mag es Zufall sein oder nicht, kaum standen wir mit einem Stadtplan in der Hand am Straßenrand, wurden wir angesprochen, ob man uns helfen könne. Mich hat das damals sehr beeindruckt, denn es hat mir als Tourist wirklich das Gefühl gegeben willkommen zu sein. Wir haben damals, zugegeben aus einer Sektlaune heraus, den Entschluss gefasst, Berlin nach außen so gut wie möglich zu repräsentieren. Natürlich ist dieser heldenhafte Gedanke nach und nach verblasst, doch nun da ich am Flughafen stehe kommt er mir wieder. Jeder bekommt ein Lächeln, jedem wird ein guter Flug oder eine gute Heimreise gewünscht und wenn jemand sich wütend über das Flughafenchaos in Berlin und den nicht fertig werdenden BBI auslässt, werde ich nicht müde die Passagiere so lange vom Charme und Charakter unseres kleinen Flughafens zu überzeugen, bis sie schließlich doch mit einem Lächeln in den Flieger steigen. Otto Lilienthal hat geschafft, was keiner erwartet hätte: er war der erste Mensch, der erfolgreich Gleitflüge mit einem Flugzeug absolvierte. Und irgendwie passt dieser Name zu unserem Flughafen der umgangsprachlich nur Tegel genannt wird, denn auch er leistet inzwischen mehr, als man je für möglich gehalten hätte. Auf dm Weg zur Arbeit fahre ich mit dem TXL Bus und als wir auf das Flughafengelände fahren ertönt die Stimme des Busfahrers: „So werte Damen und Herren, hier sind wa angekommen, ick wünsch ihnen nen ruhigen Flug und jute Reise, nehmen sie bitte alles ausm Bus mit, sie haben sonst nur unnötig Rennereien und besuchen sie uns bald ma wieda in Berlin, in diesem Sinne bis bald in unserer schönen Stadt“. Diese Ansage schafft beides auf einmal: Tränen in den Augen und das Gefühl von Stolz Berliner zu sein.

1 Kommentar:

  1. Ja ja, ist schon lange her mit London ♥♥♥

    Aber schön das du diese tolle Erfahrung mitgenommen hast und jetzt sogar an Berlinbesucher weitergeben kannst :)

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